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© Basler Zeitung; 2002-10-19
Von Patrick Marcolli
Wenn Fotos im virtuellen Raum heimkehren
Sämtliche 25000 historischen Fotografien der Basler Mission sind seit gestern auf dem
Internet abrufbar (www.bmpix.org). Damit kommt ein jahrelanges Projekt zu einem Ende.
Und dem Ziel, die Bilder wieder an den Ort ihrer Entstehung zurückzuführen, ist man virtuell nahe.
Die historischen Fotografiebestände der Basler Mission gehören zum Internationalsten, was Basel zu bieten hat.
Vier Fünftel der rund 25000 Bilder entstanden ausserhalb von Europa, meist in Afrika und Asien, zur Hälfte vor 1914.
Jetzt gelangen sie wieder in die Länder ihres Ursprungs zurück - auf elektronischem Weg.
Unter der Internet-Adresse www.bmpix.org können seit gestern Freitag sämtliche Bilder kostenlos betrachtet und heruntergeladen
werden - ein Kulturtransfer der besonderen Art. Der gestrige Stichtag mit dem Aufschalten der Website setzt den
vorläufigen Schlusspunkt unter ein Projekt, das mehr als zehn Jahre in Anspruch genommen hat und an dem mehrere,
Institutionen beteiligt gewesen sind. Die Basler Mission selbst, allen voran ihr Archivar Paul Jenkins und
Projektleiterin Barbara Frey Näf, hat den Bilderschatz mit Akribie aufgearbeitet. Jenkins betrachtet die Fotografien
als "ein Geschenk", da sie im Gegensatz zu schriftlichen Quellen "sofort wahrgenommen werden können" und auf alle
an der Geschichte der Mission beteiligten Seiten wirken würden.
Brennpunkt
Es sei ihm bewusst, ergänzte der langährige Missions-Archivar an der gestrigen Pressekonferenz,
dass es beim Internet-Projekt auch um "die Untermauerung des Gedankens geht, dass die Stadt am Rheinknie
nicht nur ein regionales Zentrum ist, sondern ein Brennpunkt bedeutender internationaler Entwicklungen".
Möglich gemacht wurde bmpix.org in erster Linie durch die Christoph Merian Stiftung (CMS), die seit Ende
die achtziger Jahre insgesamt eine halbe Million Franken zur Verfügung gestellt hat. Für CMS-Direktor Christian
Felber steht dieses Engagement in einer Linie mit anderen, über die europäische Kultur hinaus weisenden Projekte
der Stiftung. Er hofft, dass die globale, kostenlose Verfügbarkeit der Fotografien zu einern "zeitgenössischen
interkulturellen Dialog aus der gemeinsamen Geschichte heraus" führen werde. "Nur die Kenntnis anderer
Kulturen kann konfliktlösend sein", sagte Felber.
Auch Paul Jenkins verwies mit Nachdruck auf das Ziel der InternetDatenbank, den interkulturellen und
interreligiösen Dialog zu fördern. Dazu nannte er ein Beispiel der Website, auf der unter dem Suchbegriff
"Sakrale Bauten" als Untergruppen "Kirchen", "Moscheen" und andere "Sakrale Orte", gleichwertig nebeneinander
erscheinen.
Möglichst leichtes Herunterladen
Ein kurzer Blick auf die Site zeigt, dass den verantwortlichen Webgestaltem vorn Basler HyperStudio,
der Art Direktorin Catherine Lutz-Walthard und dem Webdesigner Denis Grütze, eine gute Balance zwischen
Inhalt und Erscheinungsbild gelungen ist. Hat der User einmal die allgemeinen Bedingungen akzeptiert
"I agree" so kann er seine Bildersuche nach verschiedensten Kriterien starten - wobei auch historische und
aktuelle geografische Bezeichnungen nicht vergessen gingen - und sich die Bilder und die dazu gehörigen
Metadaten erst einmal ansehen. Oberste Priorität habe die einfache Zugänglichkeit gehabt und das Angebot,
die Fotografien ohne grössere Schwierigkeiten von allen möglichen Geräten herunterladen zu können,
betonte Catherine Lutz-Walthard.
Einmal fündig geworden, kann der Netzbesucher mit der Auswahl von drei verschiedenen Auflösungen eine
kleine Reise ins Bild unternehmen beziehungsweise damit beginnen, sich in den Details zu verlieren. Die
Website mit ihren Analysen bereichern ausserdem zwei so genannte Visual Interpreters, Emmanuel Akyeampong
aus Ghana und Rahul Mehrotra aus Indien. Womit erneut das eigentliche Ziel in den Vordergrund rückt: Die
allgemeine Verfügbarkeit der Bilder gerade dort, wo sie einst von den Basler Missionaren aufgenommen wurden.
Wenn, wie Christian Felber glaubt, der digitale Graben zwischen "Ersten" und "Dritter" Welt erst einmal
überwunden ist, dann sollte neuen Erkenntnissen auf der Basis der Missionsbilder nichts mehr im Wege stehen.
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